Sheldon Cooper und der Dschungelflug

Der Blick von außen erleichtert die Erstellung von wissenschaftlich basierten Informationsprodukten.

WissenRedaktion
© nenadmilosevic / Fotolia

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Ein wenig schräg war es ja schon, hier bei kothes anzufangen und das Gefühl zu haben, wieder in der Forschung gelandet zu sein. Plötzlich verging kein Tag ohne Recherche und ohne Erkenntnisgewinn und um einen herum wuselten lauter Akademiker – seit Sheldon Coopers­­* Beliebtheit wage ich auch zu sagen „Nerds“. So dachte ich jedenfalls zunächst.

Aber ziemlich schnell war klar, dass gerade die Nerdigkeit, die Sheldon so ausmacht, nämlich sein Leben im Elfenbeinturm, sein Sichverlieren im eigenen Spezialistentum, ohne Verständnis für andere Branchen, Wissenschaftszweige und Menschen, hier nicht anzutreffen ist. Ich traf beispielsweise auf Michael, unseren Bio- und Chemie-Experten, und fragte, ob die Zusammenlagerung von Gefahrstoffen bei einem speziellen Sicherheitshinweis nicht auch eine Rolle spielen müsse. Seine Antwort war überraschenderweise nicht ausufernd, denn anstelle eines abgehobenen Monologs über Gefahrstoffe und Sicherheitshinweise als solche stellte er die konkrete Frage: „Wäre das für die Zielgruppe und den Zweck der Anleitung denn sinnvoll?“

Die Antwort lasse ich mal außen vor, die Frage aber hat mir gleich klargemacht: Hier steht nicht die Information im Mittelpunkt, sondern derjenige, an den die Information gerichtet ist. Das ist in der Forschung ja ein geradezu verwegener Ansatz. Allerdings ist die hochspezialisierte Fachsprache der Wissenschaft, die Nicht-Experten den Zugang zu den Informationen erschwert, zugegebenermaßen sinnvoll und ihre Verwendung nachvollziehbar. Denn diese Fachsprache ist präzise und man wendet sich damit nur an einen kleinen Kreis: Jeder, der Forschungsberichte liest, ist selbst ein Forscher und dann meist auch noch im selben Forschungsbereich. Ausnahmen gibt es allerdings immer dort, wo die Forschung und Entwicklung aus ihrem Kreis ausbricht und sich anderen öffnen möchte, und damit meine ich nicht nur den Türöffner-Tag der „Sendung mit der Maus“. Auch wenn es um Fördergelder von Bund und Land geht, ist es attraktiv, sich verständlich zu machen, oder wenn man seine Mitarbeiter schulen möchte oder einfach nur sein Produkt an den Mann bringen. In solchen Fällen kann Textoutsourcing Zeit und Nerven sparen.

Bevor ich zu kothes kam, hatte ich einmal die Aufgabe, Bürgern die vom Bundesministerium geförderten Forschungsprojekte zur zivilen Sicherheit zu erklären und die Forschenden beim Verfassen ihrer Förderanträge und Forschungsberichte zu unterstützen. Dabei habe ich erfahren, dass es auch hochkarätigen Wissenschaftlern und Entwicklungschefs der Industrie nicht unbedingt leicht fällt, ihre Errungenschaften verständlich zu vermitteln. Da kann es äußerst hilfreich sein, mit dem geübten und wohlwollenden Blick eines interessierten Außenstehenden an die Sache heranzugehen, um das Ziel zu erreichen. Ob man als Außenstehender zugleich fachfremd ist oder nicht, steht nicht an erster Stelle. Wichtiger ist, dass man Übung darin hat, auf der Metaebene zu arbeiten. Ja, Metaebene – sicher waren Sie schon öfter dort. Da wohnen auch die Metadaten. Es ist nicht ganz so windstill wie in einem Heißluftballon, aber man hat eine ähnlich gute Aussicht. Man nimmt eine höhere Position ein und entfernt sich damit von allen störenden Details. Man fliegt quasi über dem Maislabyrinth und erkennt plötzlich ganz leicht, wo der Ausweg ist. Setzen Sie fünf Kinder für fünf Minuten in den Dschungel und fragen Sie sie danach, wie der Dschungel ausgesehen hat. Die Antworten werden stark auseinandergehen. Setzen Sie sie danach in einen Heißluftballon über dem Dschungel und die Antworten werden vermutlich sein: „grün“, „groß“ und „voller Bäume“ – und jeder weiß sofort, was gemeint ist. Ich bezweifle, dass Sheldon in diesen Ballon jemals einsteigen würde.

Hier bei kothes trifft man sich dort oben auf der Metaebene zum Glück ganz selbstverständlich, um den verschiedensten, ob wissenschaftlich, behördenrechtlich oder betriebsintern orientierten Kundenanliegen gerecht zu werden. Man isst Kuchen, trinkt gemeinsam Kaffee und quatscht mit Michael über Superhelden. Die Quereinsteiger, über die Katharina so schön gebloggt hat, haben angefangen, dort oben Kickerturniere auszutragen. Und wenn Sie das jetzt nicht glauben, dann kommen Sie doch gerne einfach mal vorbei!

*Fiktionaler Charakter der Fernsehserie „Big Bang Theory“