Terminologie ist kein reines Übersetzungsthema

Warum es wichtig ist, schon bei der Dokumentationserstellung EINE Sprache zu sprechen.

© pathdoc / Fotolia

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Deutsche Sprache, schwere Sprache … oder?!

Eigentlich nicht, man muss sich nur auf einen gemeinsamen Wortschatz einigen.

Vor allem geschriebener Text ist anfällig für Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Eine geschriebene Anleitung ist quasi wie in Stein gemeißelt: Zunächst unveränderlich und wenn man etwas nicht versteht, kann man niemanden fragen, wie denn der Satz jetzt genau gemeint ist. Ambiguitäten, also Mehrdeutigkeiten, können im Extremfall zu falscher Montage, zu Störfällen oder Unfällen führen – ein Deckel ist eben keine Klappe und ein Schalter kein Knopf. Diese Fragen sollten im Idealfall bereits bei der Entwicklung, spätestens mit Beginn der Redaktion geklärt werden. Wenn jeder Mitarbeiter, der mit dem Produkt in irgendeiner Art zu tun hat, das gleiche Wort für das gleiche Bauteil verwendet, wissen alle direkt, um was es geht, umständliche Erklärungen entfallen und auch alle internen Dokumente sind direkt für jeden verständlich. Am einfachsten ist es, wenn sich im Team auf bestimmte Wörter geeinigt wird, die in einer Terminologiedatenbank festgehalten werden. So können auch neue Mitarbeiter oder Mitarbeiter aus anderen Abteilungen direkt alles richtig machen.

Eine Terminologieliste lohnt sich übrigens nicht nur für Substantive (z. B. bei der Benennung von Bauteilen), sondern auch für Verben (z. B. bei Handlungsschritten) oder Adjektive (z. B. bei Softwarezuständen).

Für den Technischen Redakteur ist die Terminologieliste besonders wertvoll, da von Anfang an Verständnis und ein Durchblick geschaffen wird, der sonst eventuell nicht gegeben wäre. Der Redakteur hat das Gerät oder die Maschine vermutlich vor dem Recherchetermin noch nie in seinem Leben gesehen und soll dann innerhalb kürzester Zeit den Aufbau komplett durchdrungen haben. Er muss beschreiben, wo welche Schraube zu lösen (oder aufzuschrauben) ist, um ein bestimmtes Bauteil zu entfernen und um die Bauteile dahinter warten zu können. Natürlich ist es dann nur von Vorteil, wenn jeder Ansprechpartner und jedes Dokument die gleiche Sprache sprechen. So werden Rückfragen minimiert und jeder kann sich auf die Arbeit konzentrieren, die er am besten kann.

Was hat dies nun alles mit der Übersetzung zu tun? Während der Redakteur die Anleitung(en) schreibt, legt er fest, welche Terminologie schlussendlich gegenüber dem Kunden verwendet wird. Dadurch wird es in der Übersetzung später möglich, die korrekte fremdsprachliche Entsprechung für jeden Begriff zu finden. Stellen Sie sich vor, der Übersetzer erhält einen Text, in dem für ein und dasselbe Bauteil viele unterschiedliche Benennungen verwendet weden. Dann wird er sich bei der ersten Benennung, die er vorfindet, für die seiner Meinung nach dazu passende Benennung in der Zielsprache entscheiden. Anschließend findet er eine weitere Benennung, von der er vielleicht denkt, dass ein anderes Bauteil gemeint ist, und sucht nach einem anderen Wort in seiner Sprache. Wenn er das dritte Mal über das Bauteil stolpert, wird er vielleicht wieder stutzig, ändert die Übersetzung für 1, vergisst aber 2 und so weiter und so weiter. So multiplizieren sich die Vorfälle zu einem Text, den nicht einmal mehr die Konstrukteure verstehen können.
Beginnt man also von vornherein, spätestens im Redaktionsprozess, mit der Terminologiearbeit, bekommt der Übersetzer eine saubere Liste mit den wichtigsten Begriffen und wird diese auf jeden Fall einheitlich und zielsicher übersetzen.

Die Folgen:

  • Die Übersetzungskosten werden geringer, da Mehrfacharbeit vermieden und die Textproduktion gesteigert wird.
  • Die Qualität und Verständlichkeit der Dokumente steigt.
  • Nutzer und Kunden in den unterschiedlichen Ländern dieser Erde sind glücklicher und greifen beim nächsten Kauf sicher gerne wieder auf ein Produkt ihres Lieblingsherstellers zurück.

So muss das sein!