Informationen für den Marktplatz

Technische Dokumentation als Teil digitaler Plattform-Geschäftsmodelle.

Wissen
© robu_s / Adobe Stock

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Die Digitalisierung eröffnet seit Jahren sukzessiv Chancen, neue Waren und Dienstleistungen auf bestehenden Märkten bereitzustellen, vielleicht sogar neue zu schaffen oder auch Prozesse effizienter zu gestalten. In der Musikindustrie, der Filmindustrie oder generell dem Handel sind hier ganze Elemente von Wertschöpfungsketten verschwunden. Streamingdienste und Plattformen haben neue Märkte etabliert und das Nutzungs- und Kaufverhalten diverser Käuferschichten mitgeprägt. Und natürlich werden auch im B2B-Bereich Prozesse digitalisiert, wo es möglich ist. Inzwischen arbeiten verschiedene Hersteller mit Hochdruck daran, digitale Geschäftsmodelle aufzubauen und beispielsweise digital gestützte Predictive-Maintenance-Services anzubieten. Wenige gehen sogar so weit, dem Betreiber nicht mehr eine Maschine, sondern die Leistung der Maschine zu verkaufen.

Um nun noch mehr aus den Daten und Informationen zu machen, etablieren sich IIoT-Plattformen (Industrial Internet of Things). Diese Plattformen bieten Zugang für diverse Datenanbieter, Datenanalysten und Betreiber oder Endkunden und ermöglichen so eine Monetarisierung der vorhandenen Daten. Ein Beispiel hierfür ist 365FarmNET: Das ist eine Multi-Sided-Plattform, mit der landwirtschaftliche Betriebe nahezu komplett verwaltet werden können. Hier können beispielsweise die Daten und Fahrrouten der landwirtschaftlichen Maschinen ausgelesen und ausgewertet werden. So lassen sich Fahrstrecken optimieren, Düngekonzepte für einzelne Fahrwege planen und vieles mehr. Dazu stellen Unternehmen wie Claas auf dieser Plattform ihren Kunden u. a. Daten der eigenen Landwirtschaftsmaschinen über einen Funktionsbaustein bereit. Ein Saatgutproduzent kann dann einen weiteren Funktionsbaustein anbieten, der mit den Daten von Claas eine optimale Saatgutverteilung ermittelt.

Die Verbreitung solcher Plattformen wird zunehmen und es werden am Ende nur wenige solcher Plattformen am Markt bestehen. Dieses Prinzip ist alt und findet sich beispielsweise auch beim Wochenmarkt: Die Kommune stellt den Marktplatz gegen eine Gebühr zur Verfügung (Plattform). Landwirte, Produzenten und Händler zahlen eine Gebühr an die Kommune und dürfen dafür ihren Stand aufbauen und ihre Waren anbieten. Im Idealfall kommen viele Menschen und kaufen diese Waren ein.

Die Attraktivität einer solchen Plattform steigt mit der Anzahl der Teilnehmer auf beiden Seiten. Bietet der Wochenmarkt mit vielen verschiedenen Anbietern eine große Auswahl, zieht er viele Kunden an. Kommen viele Kunden auf den Wochenmarkt, wird er attraktiv für noch mehr Anbieter. Ökonomen sprechen bei solchen "Multi-Sided-Plattformen" von Netzwerkeffekten.

So genannte Multi-Sided-Plattformen gibt es auch in der digitalen Welt und jeder kennt Beispiele wie Ebay. Im Digitalen skalieren Netzwerkeffekte allerdings viel schneller und umfassender. Während ich beim Wochenmarkt vielleicht lieber zum nächstgelegenen fahre als zu dem mit dem größeren Angebot in einer größeren Stadt, gibt es bei Onlinediensten keinen Grund, den zweitbesten Anbieter zu wählen.

Spannendes Thema, aber was haben digitale Geschäftsmodelle und Multi-Sided-Plattformen mit Technischer Dokumentation zu tun? Nichts! Noch nicht – aber das kann sich ändern. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie sind Landmaschinenhersteller und gemeinsam bauen wir ein Informationsportal auf. Dieses Informationsportal wird dann als eigenständiger Funktionsbaustein in eine unabhängige Plattform integriert. Dafür, dass die Endkunden für die Nutzung dieses Funktionsbausteins bezahlen, bekommen sie zusätzlich zur ihrer PDF- oder Papierdokumentation Zugriff auf ein intelligent durchsuchbares Informationsportal. Dies bietet beispielsweise auch direkt die passende Lösung an, wenn ein Sensor am Produkt einen Fehler an die Plattform meldet. Die passende Information kommt also zum Nutzer, er muss nicht danach suchen. Vielleicht werden die Nutzer auch interaktiv bei der Fehlersuche unterstützt. Auch Drittanbieter könnten eigene Funktionsbaustein entwickeln, die gegen eine Gebühr direkt das Informationsportal adressieren können. Der Saatgutproduzent könnte so beispielsweise aufrufen, wie die Parameter für das erworbene Saatgut an der Landmaschine optimal eingestellt werden.

Neben dem Beitrag zum digitalen Geschäftsmodell, also der Monetarisierung von Teilen der Technischen Dokumentation, ergeben sich noch weitere Vorteile: Über anonyme Nutzerstatistiken lässt sich herausfinden, welche Informationen Nutzer wirklich suchen und wo vielleicht etwas nachgereicht werden muss oder die Produkte künftig verbessert werden können. Auch können so neue Kommunikationswege oder Prozesse etabliert werden, in denen Feedback oder Wartungsprotokolle direkt über das Informationsportal zum Hersteller zurückfließen.

Ob der skizzierte Weg der erste, zweite oder vorletzte Schritt hin zum digitalen Geschäftsmodell ist, bleibt eine Frage der Digitalstrategie des jeweiligen Unternehmens. In jedem Fall ist es ein Schritt nach vorn.

Falls Sie das Thema gerne unverbindlich weiter diskutieren möchten, schreiben oder sprechen Sie uns gerne an.

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