Informationsprodukt – was ist denn das?

Modewort oder Anzeichen für tiefgreifende Veränderung in der Branche? Georg Beckers, Leiter Produktion, mit dem Versuch einer Antwort.

In der Fachwelt taucht in den letzten Jahren immer wieder der Begriff "Informationsprodukt" auf. Diesen Begriff haben wir nun auch in unsere Kommunikation übernommen. Ist das einfach nur ein Modewort oder ein Hype, dem jetzt alle folgen, oder warum sagt man nicht mehr wie gehabt "Dokument"? Mit diesen Fragen möchte ich mich in diesem Artikel auseinandersetzen.

Die Zeichen der Zeit sind unübersehbar: In allen Bereichen unseres Alltags spielt das gedruckte Dokument eine immer geringere Rolle. Wenn wir uns informieren, machen wir das über digitale Medien, und wenn man genau hinschaut, eigentlich fast immer über das Internet.

Dabei hat sich auch die Nutzung der Informationen verändert. Wir lesen nicht mehr so intensiv. Wir nehmen uns immer seltener die Zeit, uns in der Tiefe zu informieren, sondern geben uns mit kurzen, überblicksartigen Informationen zufrieden. Ich selbst erwische mich regelmäßig dabei, dass ich bei meiner morgendlichen Lektüre der Tageszeitung, natürlich digital auf dem iPad, oft nur noch die Teaser der Artikel lese und die Artikel gar nicht mehr öffne, um sie ganz zu lesen.

Wenn wir eine bestimmte Information benötigen, sind wir es mittlerweile gewohnt, moderne Suchmechanismen zu verwenden. Die Google-Suche, Wikipedia und Siri, Alexa oder Hey Google haben längst den Griff zum Brockhaus ersetzt. Wir informieren uns in aller Regel digital. Die gedruckte Information wird immer öfter zum nostalgischen Luxusgut. Man gönnt es sich, mal ein richtiges Buch zu lesen, weil man das Gefühl mag. Man liest morgens die Zeitung, weil es so gemütlich ist und einen gut in den Tag kommen lässt.

Doch der Steuerberater, der eine Fachinformation sucht, um seinen Mandanten gut zu beraten, greift nicht mehr zur Bücherwand, die er aus nostalgischen Gründen noch in seinem Büro aufgebaut hat. Er nutzt ein digitales Fachinformationsportal, das ihm die gewünschten Informationen schneller, aktueller und präziser liefern kann als die 200 kg Papier hinter ihm.

Das Dokument ist ein Auslaufmodell

Wenn man das oben Geschilderte Revue passieren lässt, ist glaube ich klar, dass unsere Zielgruppe immer weniger Interesse daran hat, Nutzerinformationen in Form von Brockhausbänden zu bekommen. Das gute alte Dokument ist ein Auslaufmodell. Das ist vielleicht traurig, ist aber so. Die gesetzlichen Anforderungen und Branchenvorgaben werden in den nächsten 10 Jahren zwar dafür sorgen, dass wir weiterhin unser Wissen auf Tonnen von Papier drucken, aber unsere Nutzer werden sich mehr und mehr davon verabschieden.

Damit dieser Umschwung auch in unseren Köpfen stattfindet, finde ich es ganz wunderbar, dass wir dafür ein neues Wort benutzen können: INFORMATIONSPRODUKT.

Dieses Wort drückt eine Menge aus. Zum einen ist es eben nicht mehr das "Dokument", das ja eine abgeschlossene, zeitlich eingefrorene und in der Regel auf Papier gedruckte Informationsmenge umfasst. Das Dokument ist eine Art von Informationsprodukt, es gibt aber noch eine Menge weiterer Arten. Und diese sind in der Regel digital.

Dabei meint "Art" nicht nur die Form der Darbietung, also ob als Online-Hilfe, Website, E-Book, Inhalt im Informationsportal etc., sondern auch die Menge der zusammengestellten Informationen. Ein Informationsprodukt kann also, was die Informationsmenge und die Informationstiefe betrifft, unterschiedliche Teilmengen einer Gesamtmenge an Informationen zusammenfassen. So können Informationsprodukte auf Nutzergruppen, Situationen und Anwendungsfälle hin ausgerichtet und zusammengestellt sein. Auch muss ein Informationsprodukt nichts Statisches sein. Die Aktualisierung und Erweiterung der in ihm enthaltenen Informationen ist durchaus möglich und von den Nutzern gewünscht.

Der Begriff des Informationsprodukts ist also deutlich universeller als der des Dokuments und passt daher viel besser in unser digitales Zeitalter.

Was heißt das für zukünftige Informationskonzepte und Projekte?

Machen wir uns nichts vor. Die meisten Technischen Redaktionen weltweit produzieren heute immer noch PDF-Dokumente und drucken diese aus. Doch wir werden früher oder später nicht umhinkommen, die Nutzer zeitgemäß mit Informationen zu versorgen.

Wenn wir heute Nutzerinformationen konzipieren, sollten wir uns daher viel mehr Gedanken darüber machen, wie die Informationen zu den Nutzern kommen und wie sie ihnen dargeboten werden. Hier geht es also um die Auswahl des passenden Informationsprodukts bzw. der passenden Informationsprodukte (ja, es werden oft mehrere sein), mit denen die Informationsbedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen optimal erfüllt werden.

Deshalb verwenden wir ab sofort den Begriff "Informationsprodukt" und laden Sie ein, mit uns gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie Sie Ihre Nutzer in Zukunft mit hilfreichen Informationen zu Produkten, Software und Dienstleistungen versorgen möchten.