Offshoring von Technischer Dokumentation

Kurzfristige Einsparung oder langfristiges Lösungsmodell?

WissenProzesseRedaktion
© contrastwerkstatt / Fotolia

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Nahezu gleichzeitig mit der Globalisierung im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts kam die Idee auf, die extrem unterschiedlichen Gehaltsgefüge der globalen Märkte zu nutzen, um mit drastisch reduzierten Gestehungskosten die gleiche oder zumindest annähernd gleiche Produktqualität zu generieren. Viel ist seitdem geschehen und viele Unternehmen sind enttäuscht und geläutert in ihre Ursprungsländer heimgekehrt und nahmen und nehmen z. B. die hohen Lohnkosten hier in Deutschland in Kauf, weil sie wissen, dass "Made in Germany" aus vielerlei Gründen seinen Preis hat. Aber: Es gibt auch eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten, die beweisen, dass – richtig aufgestellt – Offshoring sehr wohl funktionieren kann und insbesondere in Zeiten der Digitalisierung nennenswerte Vorteile mit sich bringt, die nicht unbedingt ausschließlich an den Lohnkosten festzumachen sind. Wie ist das nun mit der Technischen Dokumentation? Geht das? Und wenn ja, wie und wo? Und wann macht es keinen Sinn? Einige Beispiele sollen die Entscheidungsfindung erleichtern.

  • Da wäre zum Ersten die Frage nach der Replizierbarkeit von Dienstleistungen. Generell gilt, dass klar geschnürte und thematisch abgegrenzte Leistungspakete grundsätzlich gut ins Ausland auslagerbar sind. Hierzu können große Mengen an Prozeduren (Handlungsanweisungen) zählen, die keinen oder nur einen geringen Rechercheaufwand mit sich bringen bzw. wenn das zu recherchierende Produkt so klein ist, dass es in das Land der Leistungserbringung verbracht werden kann. Das kann zum Beispiel bei Konsumgütern der Fall sein, aber auch Softwarebeschreibungen fallen hierunter.
  • Eine weitere Möglichkeit kann sein, sich oft wiederholende Dienste wie zum Beispiel die Erstellung von Grafiken in einem Billiglohnland produzieren zu lassen. Hier hängt der Erfolg oder Misserfolg jedoch stark vom Kommunikationsaufkommen im Projekt ab. Wir machen die Erfahrung, dass die Sprach- und Kulturbarriere zwischen Diensterbringer und Kunde nicht zu unterschätzen ist: Obwohl der Dienstleister über eine ausreichende fachliche Qualifikation verfügt, stellen der andere Kulturkreis und die fremde Sprache eine Hürde dar, wenn ich z. B. erklären will, dass in unserer Weltregion Hände oder Gesichter in einer bestimmten Form, Schattierung oder Proportionierung dargestellt werden sollen.
  • Offshoring kann erfolgreich sein, wenn Prozesse über lange Zeit eingespielt sind. Dann lässt sich nicht nur die Aufgabenstellung, sondern auch das gesamte Kommunikationsverhalten in gewissen Grenzen transportieren und der Nutzen der erheblich günstigeren Stundensätze heben. Ab einer gewissen Komplexität des Produkts oder der angebotenen Dienste schwindet dieser Vorteil jedoch schnell und die zusätzlichen operativen und vor allem Qualitätssicherungsschleifen machen den finanziellen Vorteil wieder zunichte.

Am Ende muss man jedes Projekt für sich betrachten. Nur eine belastbare TCO-Berechnung (Total Cost of Ownership), in die harte (Prozesskosten) und weiche (Qualität, Zufriedenheit, Pünktlichkeit) Faktoren einfließen, führt zu einer fundierten Entscheidung. Dann kann man abwägen, wie der richtige Mix aus regionalen und globalen Diensten aussehen soll. Wir tun das mit unseren Kunden und finden gemeinsame Lösungen.