Was bedeutet Digitalisierung in der Technischen Dokumentation?

Die Sicht eines Millennials auf ein neues Informationsmanagement.

ProzesseRedaktion
© WrightStudio / AdobeStock

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Ich gehöre zu der Generation der sogenannten Millennials. Millennials, auch häufig als Generation Y bezeichnet, wird nachgesagt, 2,5-mal eher dazu bereit zu sein, neue Techniken auszuprobieren, als der Rest der Bevölkerung. Das bedeutet: Spätestens meine Generation verabschiedet sich von analogen Inhalten und Prozessen und erwartet diese – auch im Arbeitsumfeld – in digitaler Form. Diese Entwicklung erleben wir gerade auch in der Technischen Dokumentation.

Es geht seit langem bereits nicht mehr darum, Dokumentation als gesamtes Werk dem Kunden händisch zu übergeben. Inhalte werden nicht länger in Word, was eher einer analogen Welt als einer digitalen ähnelt, sondern in modernen XML-Redaktionssystemen modular erstellt. Diese Systeme eröffnen den Firmen die Möglichkeit, ihre Inhalte in verschiedenen Ausgabeformaten zu publizieren, von HTML bis zum bekannten PDF-Dokument. Zusätzlich ist in den letzten Jahren immer mehr der Begriff „Content Delivery“ in den Fokus gerückt. Content-Delivery-Portale stellen Informationen in kleinen, an der zu lösenden Aufgabe orientierten Einheiten auf Web-Plattformen oder in Apps für mobile Endgeräte zur Verfügung, sodass die Nutzerinnen und Nutzer diese finden und anzeigen können.

Ist die Digitalisierung der Technischen Dokumentation damit schon abgeschlossen? Vielleicht schon, aber vielleicht auch nicht. Meiner Meinung nach hängt das von dem jeweiligen Geschäftsmodell ab. Für mich als Millennial bedeutet Digitalisierung nicht nur die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate, sondern auch, dass mit der Digitalisierung meist ein neues Geschäftsmodell und somit ein zusätzlicher Nutzen einhergeht. Dieses neue Geschäftsmodell kann entweder aus einem klassischen entwickelt werden oder einen disruptiven Ansatz haben.

Zwei Ansätze für ein neues Geschäftsmodell

Schaut man sich den Maschinenbau an, gibt es bereits jetzt einige große Hersteller, die ihr altes Geschäftsmodell, das Verkaufen von Maschinen, zu einem digitalisierten pay-per-use Geschäftsmodell weiterentwickelt haben. Der Kunde bezahlt also ausschließlich für die produktive Nutzung und nicht für die Maschine an sich. Vielleicht ergeben sich in Zukunft solche Modelle auch für die Nutzung von Informationen? Informationen, die in ihrer Beschaffenheit über die Anforderungen aus aktuellen Normen und Richtlinien hinausgehen und die einen Mehrwert schaffen, wie zum Beispiel das eigene Servicepersonal effizienter arbeiten zu lassen, sind aus meiner Sicht auch finanziell mehr wert. Ich würde bereits jetzt für ein Produkt mehr zahlen, wenn mir dieses die Informationen, die ich gerade benötige, immer zum richtigen Zeitpunkt anbietet – einfach aus dem Grund, dass die Wertigkeit und die Usability bei solch einem Produkt wesentlich höher sind.

Der disruptive Ansatz ist weitaus komplexer. Ein Uber oder AirBnb, das jeweils eine ganze Branche erzittern lässt, ist für die Technische Dokumentation nicht mal eben so umsetzbar. Ein disruptiver Ansatz wäre es in diesem Fall, wenn wir zukünftig auf die bisher typische Betriebs- oder Bedienungsanleitung gänzlich verzichteten. Wenn wir bei dem Maschinenbau-Beispiel bleiben, müssten die jeweiligen Anlagen und Maschinen den Nutzern und Nutzerinnen die Informationen, die sie gerade benötigen, selbst zur Verfügung stellen, und zwar am besten so, dass die Person es gar nicht merkt. Das verlangt nicht nur hohe redaktionelle Kompetenz, sondern auch eine vernetzte IT-Landschaft. Die Entwicklung eines solchen Geschäftsmodells kann kaum von Unternehmen alleine bewerkstelligt werden, sondern geht über die Firmengrenzen hinaus. Genau aus diesem Grund knüpfen wir bei kothes auch immer mehr strategische Partnerschaften mit leistungsfähigen Unternehmen. Die Geschwindigkeit in der Entwicklung bestimmen unsere Kunden; unser Ziel ist es, in unserer Branche der Vorreiter zu sein. Und ein bisschen „Träumen“ gehört ja zu jedem Millennial dazu ;-).

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