UX-Writing – Wer, was, und vor allem, warum?

Das geschriebene Wort als Erlebnis.

Redaktion
© trueffelpix / Adobe Stock

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Was so verträumt klingt, beschreibt einen der gefragtesten Berufe in der digitalen Produktlandschaft. UX-Writer sind interdisziplinäre Allround-Talente in einer Welt, die keine Nutzerhandbücher kennt.

Die IT-Branche bietet durch ihre schnelllebigen Entwicklungsprozesse stetig neue Möglichkeiten für professionelle und private Anwendungsgebiete. Dabei stellen die neuen Anforderungen der digitalen Welt den Arbeitsmarkt seit einigen Jahren auf den Kopf: Agile, Big Data und Start-ups brechen mit konventionellen Strukturen und Berufen.

Während es vor einem Jahrzehnt noch primär darum ging, Softwareprozesse funktionierend umzusetzen und geschulte Entwickler auszubilden, ist dies heute nicht mehr die einzige Herausforderung. Software und digitale Prozesse müssen nicht nur funktionieren, sie müssen auch positiv erfahrbar sein: intuitiv, schnell und kontinuierlich. Was so selbstverständlich klingt, kann als berühmtes Zünglein an der Waage über den Erfolg oder das Versagen digitaler Produkte entscheiden.

An dieser Stelle kommen UX-Writer ins Spiel. UX steht für User Experience – die Erfahrung des Nutzers im Umgang mit einem Produkt. In großen Unternehmen gibt es oftmals ganze Abteilungen, die sich mit UX beschäftigen und in Zeiten von Apps, Touchscreens und Sprachsteuerungssystemen alte Standards neu denken müssen. Auch das herkömmliche Nutzerhandbuch gehört in diesem Fall der Vergangenheit an. Das mag für klassische Dienstleister im Bereich der Technischen Dokumentation zuerst abschreckend klingen. Doch kein Nutzer eines IT-Produkts möchte sich durch lange PDFs klicken und auch integrierte textlastige Einführungstutorials werden oftmals übersprungen. Für uns bei kothes ist dies jedoch kein Hindernis, sondern die Gelegenheit, mit der Zeit zu gehen und die Technische Dokumentation mit in die agile Welt der Digitalisierung zu nehmen. 

„People ignore design that ignores people.“
(Frank Chimero, Designer)

Ein guter UX-Writer bringt zwei fundamentale Qualifikationen mit: Das Verständnis für das Produkt und seine langfristige Vision sowie das Verständnis für den Nutzer als Menschen. Die Kunst liegt dabei in der Vermittlung technischer Funktionalitäten auf menschlicher Ebene. UX-Writer sind kreative Strategen, die sich in den Nutzer einfühlen können. Die richtige In-App-Notification zum richtigen Zeitpunkt, kontextsensitive Ansprache der Bedürfnisse des Nutzers und eine Informationsstruktur, die eine intuitive Navigation durch das digitale Produkt fördert, sind nur ein paar der denkbaren Erfolgswerkzeuge des UX-Writers.

Aufgrund des noch jungen Berufsbilds des UX-Writers ist das Profil nicht in Stein gemeißelt und je nach Branche und Produkt können verschiedene Faktoren für erfolgreiches UX-Writing ausschlaggebend sein. Es hilft jedoch, sich deutlich zu machen, was ein UX-Writer NICHT ist.

Ein UX-Writer ist kein Copywriter.

Zwar hat ein guter UX-Writer stets Produktstrategie und Selling Points im Blick, jedoch muss er oder sie täglich über diesen Tellerrand hinausschauen. Der Nutzer soll nicht nur angesprochen, sondern auch verstanden und unterstützt werden. Um dies zu erreichen, spricht ein UX-Writer nicht nur die Sprache des Nutzers, sondern auch die Sprache der Entwickler, um zielführend zwischen den beiden Parteien vermitteln zu können.

Ein UX-Writer ist kein Technischer Redakteur.

Natürlich haben auch Technische Redakteure durchaus ihre Rolle in der digitalen Welt der Software. So sehr wir uns auch vom klassischen Nutzerhandbuch entfernen: Release-Notes, Fehlerdokumentation, Maskenbeschreibungen und Funktionsübersichten sind gerade bei umfangreichen Softwareprodukten nicht wegzudenken. Doch die Aufgabe des UX-Writers beginnt oftmals noch viel früher: Der UX-Writer hat bereits bei der Konzeptionierung von GUI und Funktionsabläufen stets den Nutzer im Blick und gewährleistet die Einbindung der relevanten Faktoren im gesamten Entwicklungsprozess.

Ein UX-Writer ist kein Marketing-Manager.

Es geht nicht nur darum, die positiven Seiten eines Produkts hervorzuheben, sondern auch darum, dem Nutzer zuzuhören. Ein UX-Writer ist ein interdisziplinärer Stratege, der langfristige Kommunikationsstrategien entwickelt und umsetzt. Die Werkzeuge dazu sind intermedial: Videos, Umfragen, Datenauswertungen. Ein UX-Writer gewinnt stetig neue Kenntnisse über die Beziehung zwischen dem Produkt und dem Kunden und setzt diese in seinen Texten um.

Wie lässt sich das facettenreiche Berufsbild des UX-Writers also zusammenfassen? Vielleicht so:

Ein UX-Writer ist ein interdisziplinärer Kommunikationsstratege, der emotionale und praktische Kundenbedürfnisse erkennt und im Anschluss sprachliche Schnittstellen ausarbeitet, die ein optimales Produkterlebnis bieten und so den Mehrwert des Produkts steigern.

Bei kothes erstreckt sich der Aufgabenbereich des UX-Writers von regelmäßiger Rücksprache mit Stakeholdern, Marketing, Entwicklern und Designern über die Auswertung von Kundeninteraktionen bis hin zu detailliert durchdachten Terminologiekonzepten. Wer in der IT-Branche langfristig Erfolg haben möchte, muss erkennen, dass trotz aller Bits und Bytes der Mensch selbst das Fundament bildet, auf das erfolgreiche Technologien aufbauen. Der UX-Writer ist dabei ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum digitalen Erfolg.

 

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