Meine Rolle als Safety Manager

Elternzeitvertretung mit zahlreichen Herausforderungen.

Produktsicherheit
© ngad / Fotolia

© ngad / Fotolia

„Rumms in der Verrohrung“. Spätnachmittags erreichte mich eine E-Mail mit diesem Betreff. Und so ging es weiter: "An einer unserer Maschinen ist es aufgrund eines Montagefehlers zu einem unkontrollierten Überdruckaufbau gekommen. Es besteht Gefahr, dass Maschinenteile aufgrund des Hochdrucks bersten und dadurch Personen in Kontakt mit hochtoxischem Prozessrauch kommen und durch herausfliegende Maschinenteile verletzt werden. Zusätzlich besteht durch die austretenden Stoffe auch noch Brand- und Explosionsgefahr. Wir haben viele Maschinen dieser Art verkauft, was müssen wir jetzt machen?" Kurze Zeit später saß ich schon im Zug auf dem Weg zum Kunden …

Der eigentliche Ausgangspunkt für diese (und viele weitere Zugfahrten) war die Anfrage eines langjährigen Kunden, die uns einige Wochen zuvor erreicht hatte: „Unser leitender Ingenieur für Produktsicherheit geht für 2,5 Monate in Elternzeit und wir haben niemanden, der ihn während dieser Zeit ersetzen kann. Könntest du dir vorstellen, dass du das machst?" Ansprechpartner für sämtliche Sicherheitsfragen und -themen von ca. 400 Angestellten und das Ganze wegen US-Standorten teilweise auch noch auf Englisch? Können wir sowas? Hmm? Andererseits, könnte ja vielleicht ganz spannend werden. Eigentlich ist die Produktsicherheit ja auch mein Leib- und Magen-Thema.

Safety Manager auf Zeit

Spannend war es dann auch. Die Anfragen waren vielfältig und zu allen denkbaren Themen. Von der Unterstützung eines australischen Minenbetreibers bei der Aufstellung seiner Maschine bis zur Gestaltung von Warnaufklebern für die Maschinen war alles dabei. Viele Skype-Meetings, viele Vor-Ort-Termine, um gemeinsam zeitnah schnelle und praktikable Lösungen zu finden. Die Unterstützung und Hilfestellung durch den Kunden war dabei großartig. Die Zusammenarbeit ist rundherum gelungen.

Einen großen Teil der Zeit habe ich in diesen 2,5 Monaten wahrscheinlich im Zug verbracht, weil viele solcher Anfragen kamen. Diese Reisezeit war gleichzeitig aber auch willkommene Zeit für Recherche, Normenwälzerei und Nachdenken über spezielle Sicherheitsprobleme, die man sonst in dieser Form vielleicht nicht so häufig auf den Tisch bekommt. Aus der ursprünglich geplanten Einsatzzeit von 2 Tagen/Woche mit gelegentlichen Vor-Ort-Terminen wurden letzten Endes dann auch 4 – 5 Tage/Woche mit vielen Kundenbesuchen. Und mitten in dem ganzen Getümmel waren dann die 2,5 Monate Vertretungszeit plötzlich auch schon wieder vorbei.

Und da der leitende Sicherheitsingenieur mit 3 Kindern noch weitere Elternzeit nachzuholen hatte und es darüber hinaus auch Spaß gemacht hat, habe ich das Ganze dann im Sommer direkt noch einmal für zwei Monate wiederholt. Und da ich zwischendurch auch einmal im Urlaub war, übernahm ein Kollege bei kothes die Rolle des Vertreters des Vertreters.

Die Lösung für den Rumms in der Verrohrung haben wir übrigens auch recht zügig gefunden. Zum einen zeigte die schnell durchgeführte Risikobewertung, dass ein erneutes Auftreten dieser speziellen Gefahrensituation sehr unwahrscheinlich ist, zum anderen wird in dem (sowieso geplanten) Upgrade der Maschine ein zusätzliches Überdruckventil vorgesehen, so dass diese Gefahr in Zukunft sicher ausgeschlossen werden kann. Und ein paar andere gleich mit …