Die Risikobeurteilung

Mehrwert oder für die Schublade?

Produktsicherheit
© deagreez / fotolia

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Ein bekanntes Szenario:
Ein Servicemitarbeiter steht vor einer zu reparierenden Maschine und denkt sich: „Die Betriebsanleitung habe ich ja, da steht aber nichts über die Gefahren im Inneren der Maschine, auf die ich eventuell stoßen könnte. Die Risikobeurteilung habe ich auch. Dort steht etwas über die Gefahren im Inneren der Maschine. Ich habe aber nicht die Zeit, mir aus mehreren hundert Seiten genau die Informationen zu filtern, die ich genau jetzt brauche.“

Ich beschäftige mich jetzt seit bereits 14 Jahren mit der Thematik Risikobeurteilung und mache mir sehr oft Gedanken darüber, was nach der Fertigstellung mit einer Risikobeurteilung passiert. Häufig höre ich: Die kommt in die Schublade. Der Kunde hat ja keinen Anspruch auf eine Lieferung der Risikobeurteilung. Ja, das stimmt. Aber wirft man damit nicht wertvolle Informationsperlen „vor die Säue“? Ein kluger Kopf hat sehr viel Zeit damit verbracht, Gefährdungen zu ermitteln und die erkannten Risiken mit viel Aufwand nach normativen Vorgaben in einem Drei-Schritt-Verfahren zu minimieren. Nur ein Bruchteil dieser wertvollen Informationen findet den Weg in die Betriebsanleitung der betrachteten Maschine. Klar, wir finden in der Betriebsanleitung die Sicherheitshinweise, die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung, die Personalqualifikation der Zielgruppe und etwaige Schilder, die es vielleicht sogar noch auf die Maschine geschafft haben. Aber was ist mit dem wertvollen Rest? Zumal die Risikobeurteilung sogar in einer modular aufgebauten Software erstellt wurde. Was ist mit all den Gefahrenstellen und Risiken, die man mühevoll zusammengesucht hat? Viele davon schaffen nicht den Sprung in die Betriebsanleitung, da sie durch die getroffenen Maßnahmen zur Risikominderung für die Betriebsanleitung eben nicht mehr erwähnenswert sind.
Es gilt also, einen Weg zu finden, diese Informationen, die ja durchaus richtig und verständlich sind, sinnvoll aufzubereiten und einem Nutzer in speziellen Situationen zur Verfügung zu stellen. Damit sind wir wieder beim allgegenwärtigen Schlagwort smart.

Denken wir die Idee der smarten Informationsvermittlung einmal weiter:
Was wäre, wenn man die bestehenden Informationshappen in der Risikobeurteilung mit entsprechenden Metadaten, zum Beispiel einer PI-Klassifikation versehen würde? Schließlich arbeiten wir doch mit einer Risikobeurteilungssoftware, die auf einem Redaktionssystem basiert.

Was wäre, wenn man mit Hilfe von zum Beispiel Augmented Reality und einem Informationsportal genau diese Informationen einer ganz anderen Zielgruppe zu Verfügung stellen würde, etwa einem Servicemitarbeiter, Mechaniker oder Mechatroniker, der sich gerade zu einer solchen Gefahrenstelle und dem damit verbundenen Risiko „durchschrauben“ muss? Er würde dann wissen, was auf ihn zukommt, und hält dabei nur sein Smartphone oder Tablet in der Hand. Er könnte seine Vorgehensweise den anstehenden Gefahren anpassen und agieren, anstatt zu reagieren. Er würde mit einem Schlag sein Verletzungsrisiko massiv reduzieren ...

Genau das verstehe ich unter „smart“ – und der Weg zu einer solch lösungsorientierten Informationsdarbietung genau zum richtigen Zeitpunkt kann so steinig nicht sein. Lassen Sie uns doch mal gemeinsam darüber nachdenken!