3D-Drucker machen Druck

Wie die Technische Dokumentation Schritt halten kann mit dem neuen Tempo der Entwicklungsabteilungen.

WissenProzesseRedaktion
© Aleks Tracksel / Fotolia

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In Gesprächen mit meinen Kunden kommt immer wieder ein Thema zur Sprache, das in den Dokumentationsabteilungen wie Blei auf den Schultern der Mitarbeiter liegt:
Abteilungen, die durch die florierende Konjunktur sowieso schon einen sehr hohen Auslastungsgrad haben, werden zusätzlich gefordert durch sich rasant verkürzende Entwicklungszeiten für neue Produkte und Produktvarianten.

Die Ursache hierfür ist häufig die Anwendung von Rapid Prototyping in der Entwicklung, d. h. der Einsatz von Additive Manufacturing, kurz AM, auch als 3D-Druck bezeichnet.

Die additive Fertigung ermöglicht es, neue Bauteile oder Komponenten, je nach ihrer Komplexität, innerhalb von Stunden oder Tagen bereitzustellen. Durch den direkten Druck aus 3D-CAD-Daten ist vielmals alleine durch das Entfallen des Werkzeugbaus ein deutlicher Zeitvorteil gegenüber klassischen Fertigungsverfahren wie z. B. dem Spritzguss gegeben. Überdies bieten diese Verfahren auch noch eine sehr große Designfreiheit, was die Neigung zu neuen Varianten zusätzlich erhöht und es ermöglicht, kundenindividuelle Lösungen umzusetzen.

Durch die zunehmende Industrialisierung der Technik und eine ständige Weiterentwicklung der 3D-Drucker hinsichtlich kürzerer Bauzeiten, innovativer Werkstoffe und höchster Präzision lassen sich auch Kleinserien wirtschaftlich realisieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob der 3D-Drucker im eigenen Hause steht oder ob man sich der Leistung eines industriellen Partners bedient.

Der aus den kürzeren Entwicklungszyklen und dem Variantenreichtum entstehende Dokumentationsbedarf ist enorm und kann häufig mit den bestehenden Prozessen und Kapazitäten nicht abgedeckt werden. Dies gilt für die Neuerstellung von Dokumenten, deren Übersetzungen und in der Folge auch für deren Aktualisierung oder Individualisierung. Von den oft nervtötenden und zeitraubenden Review- und Freigabeprozessen für immer wieder ähnliche Inhalte ganz zu schweigen.

Wie also kann man dieser Herausforderung in der Technischen Dokumentation begegnen, ohne gleich neue Stellen schaffen zu müssen, die häufig schwer zu besetzen sind und dauerhaft mit gestiegenen Kosten im Bereich der Dokumentation einhergehen? Letzteres ist in den Unternehmen oft auch schwierig durchzusetzen.

Informationen intelligent vernetzen

Mit Kunden, die aktuell in dieser Lage sind, versuche ich oft, einen Weg zu gehen, der neue technische Möglichkeiten, aber auch prozessuale Optimierungen miteinander verbindet. Ähnlich wie der 3D-Druck die Prozesse in der Entwicklung und Fertigung verändert, wurden in den letzten Jahren auch in der Technischen Dokumentation Verfahren, Methoden und Tools entwickelt, die effiziente und automatisierte Prozesse oder Teilprozesse ermöglichen.

Ein Kernthema ist dabei die intelligente Nutzung von Informationen, die im Zuge der Digitalisierung von Unternehmensprozessen zur Verfügung stehen. Dies können z. B. Technische Daten, Konfigurationsdaten, Stücklisten oder 3D-Daten sein. Wenn man diese Informationen intelligent mit z. B. modularen Dokumentationsdaten vernetzt, schafft man dadurch eine smarte Informationslösung, die flexibel die verschiedensten Anforderungen erfüllen kann. Das können klassische Anleitungen sein oder auch eine gezielte Ausgabe von Informationen auf mobilen Systemen, z. B. für einen Servicetechniker.

Dieser zusätzliche Nutzen, der im Gegenzug zu effizienteren Prozessen in anderen Bereichen und damit zu Kosteneinsparungen führen kann, ist nicht selten der entscheidende Hebel für meine Kunden, diesen Weg zu gehen.